BI & Daten · Reihe «Reporting, das Entscheide trägt», Teil 16
Fabric Planning oder Jedox: wann welches Werkzeug passt
Seit Ende Juli ist Planning in Microsoft Fabric IQ allgemein verfügbar, und in jeder Budgetrunde fällt dieselbe Frage: Reicht das, oder braucht es Jedox? Wofür Fabric Planning taugt, wo ein dediziertes Planungssystem besser ist und woran Sie den Unterschied erkennen.
Ende August, die Budgetrunde 2027 steht vor der Tür. Die IT meldet, dass Planning in Microsoft Fabric seit ein paar Wochen allgemein verfügbar ist und auf der Kapazität läuft, die das Unternehmen für Power BI ohnehin bezahlt. Am selben Tag liegt die Offerte eines Jedox-Partners auf dem Tisch, mit Bilanzplanung, Personalplanung und Konsolidierung. Der CFO hat zwei Angebote, die beide «Planung» heissen, und keine Grundlage, sie zu vergleichen. Die Antwort ist für beide Anbieter unbequem: Es kommt darauf an, was der Plan rechnen muss.
Was Planning in Fabric IQ heute kann
Microsoft hat Planning im März 2026 an der FabCon vorgestellt, gemeinsam entwickelt mit Lumel, dem Hersteller der Power-BI-Erweiterungen Inforiver und ValQ. Seit dem 28. Juli ist es allgemein verfügbar, seit dem 1. August wird es abgerechnet. Der Kern sind vier Bausteine: Planning Sheets für Budget, Forecast, Szenarien und rollierende Forecasts mit Versionen, Kommentaren und Freigabeflüssen; PowerTable für Stamm- und Referenzdaten, die heute in Excel-Listen gepflegt werden; Intelligence Sheets für Abweichungsberichte; und Planning Cubes, in denen ein Wert auf verdichteter Ebene erfasst und nach einer Bezugsgrösse wie dem Vorjahresumsatz nach unten verteilt wird.
Der entscheidende Unterschied zu einem separaten Planungssystem ist der Ort, an dem geplant wird. Fabric Planning plant direkt auf dem semantischen Modell, auf dem auch die Ist-Berichte laufen, und schreibt die Planwerte in eine SQL-Datenbank in Fabric zurück. Der Umsatz im Plan ist damit per Definition derselbe Umsatz wie im Monatsbericht. Egle und Keimer haben das Prinzip schon 2018 für die Schweiz beschrieben: Ein Single Point of Truth für sämtliche ERP-, Plan- und Forecast-Daten macht manuelle oder Excel-basierte Abstimmungen weitgehend überflüssig (Egle/Keimer 2018, S. 24). Mit Fabric Planning ist dieser Ort für Microsoft-Kunden erstmals ohne Zusatzprodukt erreichbar.
Abgerechnet wird nicht pro Lizenz, sondern pro Rolle und 30-Tage-Sitzung aus der Fabric-Kapazität: Planer bauen Modelle, Stakeholder erfassen und genehmigen, Viewer lesen. Die Kosten folgen damit der Zahl der Budgetverantwortlichen, nicht der Zahl der Mitarbeitenden. Voraussetzung ist eine Fabric-Kapazität; mit Power BI Pro oder Premium per User allein geht es nicht.
Wo Fabric Planning reicht
Fabric Planning ist stark, wo der Plan dieselben Begriffe braucht wie der Bericht. Das Kostenstellenbudget, das jeder Bereichsleiter im Oktober erfasst. Der Vertriebsplan je Kunde und Produktgruppe, verteilt nach dem Vorjahr und von Hand korrigiert, wo ein Grosskunde wegfällt. Der Stellenplan auf Stufe FTE. Der rollierende Forecast, bei dem der statistische Vorschlag als Ausgangswert dient und der Controller nur die Abweichungen begründet. Und Szenarien für die Geschäftsleitung, etwa ein Preis, der zwei Prozent tiefer liegt als geplant.
In all diesen Fällen fällt die teuerste Arbeit der klassischen Budgetrunde weg: der Abgleich zwischen Planungssystem und Berichtssystem. Keine Mapping-Tabelle, kein zweiter Kontenplan, kein Export am Tag nach der Freigabe. Plan-Ist steht im selben Bericht, in derselben Notation, mit Vorjahr, Ist und Budget in derselben Reihenfolge wie im Monatsbericht. Die Planning Sheets stammen aus der Inforiver-Linie und beherrschen die Szenario-Notation nach IBCS®; wer seine Berichte bereits so aufgebaut hat, muss für die Planung nichts neu lernen.
Das Abrechnungsmodell belohnt zudem einen schlanken Prozess. Langmann beschreibt, weshalb Planung in den meisten Unternehmen viel Aufwand und wenig Zufriedenheit erzeugt: fehlende Werkzeuge, zu hohe Planungstiefe und Abstimmungsschleifen statt klarer Vorgaben von oben (Langmann 2019, S. 21 f.). Wie weit man das zurückschneiden kann, zeigt ein Schweizer Fall aus dem Sammelband von Keimer und Egle: Mit einem Top-down-Budget auf wenigen Zielgrössen sank die Zahl der Beteiligten von rund fünfzig auf sechs (Keimer/Egle 2020, S. 259). Weniger Budgetverantwortliche bedeuten in Fabric Planning direkt weniger Kapazität. Das ist ein Kostenargument, und es ist gleichzeitig ein Argument für den besseren Prozess.
Eine Grenze zeigt sich schon bei einfachen Plänen. Als wir einen Vertriebsplan nach Vorjahr verteilen wollten, blieben die Zellen der neuen Produkte leer: Ohne Vorjahresumsatz gibt es kein Gewicht, und die Verteilung bricht ab. Microsoft dokumentiert das inzwischen als Regel, Verteilungen nur auf befüllte Bezugswerte zu legen. Für neue Produkte, neue Filialen oder neue Kunden braucht es deshalb eine eigene Eingabezeile mit eigener Logik. Das ist lösbar, aber es ist Modellarbeit, die jemand machen und pflegen muss.
Wo Jedox und andere EPM-Werkzeuge besser sind
Dedizierte Planungssysteme wie Jedox, Lucanet, IBM Planning Analytics, Board oder für grosse Organisationen Anaplan und Pigment sind besser, wo der Plan eine eigene Finanzlogik braucht, die im Ist-Modell nicht vorkommt. Vier Situationen sehen wir immer wieder.
Die erste ist die integrierte Finanzplanung. Die Bank will zum Budget eine Planbilanz und eine Liquiditätsvorschau, und der Verwaltungsrat fragt, was eine um zehn Tage längere Zahlungsfrist mit dem Geldbestand im Dezember macht. Dafür müssen Erfolgsrechnung, Bilanz und Geldfluss so verknüpft sein, dass eine Änderung am Umsatz über Debitoren und Zahlungsziele bis in die Liquidität durchläuft. Jedox liefert dafür fertige Modelle für Bilanz, Erfolgsrechnung, Geldfluss, Vertrieb, Personal und Kostenstellen mit, Lucanet hat dieselbe Stärke. In Fabric Planning baut man diese Logik mit Formelzeilen selbst und pflegt sie selbst.
Die zweite ist der Konzern. Mehrere Gesellschaften in mehreren Währungen, konzerninterne Lieferungen, die eliminiert werden müssen, Minderheitsanteile: Das ist das Kerngeschäft von Jedox, Lucanet oder Tagetik. Für Fabric Planning dokumentiert Microsoft weder Währungsumrechnung noch konzerninterne Elimination. Dazu kommt eine praktische Grenze, die in Gruppen und bei Beteiligungsgesellschaften schnell relevant wird: Gastbenutzer aus einem anderen Microsoft-Tenant werden nicht unterstützt. Der Treuhänder, der die Tochtergesellschaft betreut, oder der Investor, der mitplanen will, kann in Fabric Planning nicht mitarbeiten, solange er nicht im eigenen Tenant angelegt ist.
Die dritte sind regelintensive Modelle. Eine Personalplanung pro Kopf mit Lohnband, Eintrittsdatum, Sozialleistungen und 13. Monatslohn oder eine Produktionsplanung über Stücklisten braucht eine Regelmaschine, die über viele Dimensionen rechnet. Dafür wurden Jedox und IBM Planning Analytics gebaut. Fabric Planning hat Formeln und Automatisierungen, aber mit dokumentierten Grenzen, etwa zwei Stufen für verkettete Auslöser und 1.2 Millionen Zellen pro Rückschreibung.
Die vierte ist die Reife. Jedox ist seit Jahren im Markt, hat ein Excel-Add-in, das Finanzabteilungen schätzen, und in der Schweiz Partner mit fertigen Vorlagen. Fabric Planning ist wenige Wochen allgemein verfügbar. Die Nutzerbewertungen von BARC sind allerdings ein nützlicher Gegenpol zum Hersteller-Marketing: Dieselben Anwender, die bei Jedox die Flexibilität und die Nähe zu Excel loben, nennen die Komplexität der Einführung und die Leistung bei grossen Datenmengen als Schwäche (BARC 2026). Ein dediziertes System löst die Finanzlogik, aber es bringt ein zweites Modell mit, das mit dem Ist-Modell abgestimmt werden muss.
| Kriterium | Planning in Fabric IQ | Jedox und andere EPM-Werkzeuge |
|---|---|---|
| Plan auf denselben Definitionen wie das Ist | Eingebaut: plant auf dem semantischen Modell | Über Schnittstelle und Mapping |
| Kostenstellen-, Vertriebs- und Stellenplan | Gut geeignet | Gut geeignet |
| Erfolg, Bilanz und Geldfluss verknüpft | Selbst bauen und pflegen | Vorlagen und Finanzlogik vorhanden |
| Mehrere Gesellschaften, Währungen, Elimination | Nicht dokumentiert | Eingebaut (Jedox, Lucanet, Tagetik) |
| Regelintensive Modelle (Personal pro Kopf, Stücklisten) | Grenzen bei Automatisierung und Rückschreibung | Regelmaschine über viele Dimensionen |
| Externe Mitplaner (Treuhand, Investor) | Keine Gastbenutzer aus anderem Tenant | Eigene Benutzerverwaltung |
| Voraussetzung und Kostenlogik | Fabric-Kapazität, Abrechnung nach Rolle | Eigene Plattform, eigene Lizenz |
| Marktreife | Allgemein verfügbar seit Juli 2026 | Seit Jahren im Markt, Partner mit Vorlagen |
Der Plan beginnt beim Entscheid, den er tragen soll
Die Werkzeugfrage lässt sich erst beantworten, wenn klar ist, wofür der Plan gebraucht wird. Das ist dieselbe Zweckfrage, mit der wir jeden Bericht beginnen: Was sollen diese Zahlen aussagen, und was wird damit bezweckt? Ein Budget, mit dem sich Bereichsleiter auf Kosten verpflichten und die Geschäftsleitung monatlich Plan-Ist prüft, hat einen anderen Zweck als ein Budget, das die Bank für die Verlängerung der Kreditlinie verlangt. Das Framework «Vom Entscheid zur Kennzahl» gilt für die Planung genauso: erst der Entscheid, dann die Plangrösse, dann das Werkzeug.
Vier Fragen trennen die Fälle in der Praxis zuverlässig:
- Muss der Plan eine Bilanz und einen Geldfluss ergeben, oder reicht eine Erfolgsrechnung auf Stufe Kostenstelle, Kunde und Produkt?
- Wie viele Gesellschaften, Währungen und konzerninterne Verrechnungen müssen zusammengerechnet werden?
- Wer plant mit, und sitzen alle in Ihrem eigenen Microsoft-Tenant?
- Steht das Ist bereits in einem sauberen semantischen Modell, das mit der Buchhaltung abstimmbar ist?
Zweimal Nein bei den ersten beiden Fragen, zweimal Ja bei den letzten beiden: Dann ist Fabric Planning in den meisten Fällen die schlankere Lösung. Ja bei der ersten oder zweiten Frage verschiebt den Entscheid Richtung dediziertes Planungssystem. Ein Nein bei der vierten Frage verschiebt ihn nach hinten, denn wer auf einem Modell plant, das nicht mit der Buchhaltung übereinstimmt, plant auf Sand. Solange der Plan dieselbe Sprache spricht wie der Bericht, gehört er auf das Datenmodell. Sobald er Erfolg, Bilanz und Geldfluss zusammenrechnen muss, gehört er in ein Planungssystem.
Oft ist die Antwort eine Kombination: Jedox oder Lucanet für die integrierte Finanzplanung und Konsolidierung, Fabric für das Reporting darüber, mit den Planwerten als eigener Quelle im Modell. Das funktioniert gut, solange klar ist, welches System für welche Zahl die Wahrheit hält. Und für viele KMU bleibt Excel für die erste Eingaberunde, weil Planung Verhandeln ist und Verhandeln in Tabellen passiert. Was aus Excel herausgehört, ist der Zusammenzug von dreissig Dateien zu einem Stand.
Bei einem Grosshändler mit zwei Gesellschaften habe ich die Budgeteingabe direkt auf das Power-BI-Modell gelegt: Kostenstellen und Verkaufsgebiete, mit Rückschreibung in die Datenbank und Plan-Ist am Tag nach der Freigabe. Die erste Runde lief besser als jede Excel-Runde davor. Im November verlangte die Bank zur Verlängerung der Kreditlinie eine Planbilanz und eine Liquiditätsvorschau, und darauf war das Modell nicht gebaut. Den Fehler habe ich am Anfang gemacht: Ich habe gefragt, was die Geschäftsleitung mit dem Plan entscheidet, aber nicht, wer ihn ausser ihr noch liest. Wir haben die Bilanzlogik dann in Excel neben dem Modell nachgebaut, mit Zahlungsfristen und Lagerreichweite als Treibern, und im Jahr darauf sauber aufgesetzt. Seither steht die Frage nach allen Empfängern des Plans im ersten Gespräch.
Ein Gedanke aus der Controlling-Praxis hilft bei beiden Werkzeugen gleichermassen. Dirk Fischer nennt als zehnte Regel für erfolgreiches Controlling «Einfachheit vor Genauigkeit» und warnt davor, Planungen tiefer zu detaillieren, als das Erklärungsmodell dahinter trägt (Fischer in Mehlfeld et al. 2018, S. 18). Ein Plan auf Artikelebene ist in Fabric Planning genauso schnell gebaut wie in Jedox. Ob ihn jemand begründen kann, entscheidet sich nicht im Werkzeug.
Was Sie morgen tun können
Nehmen Sie die Unterlagen der letzten Budgetrunde und beantworten Sie die vier Fragen oben. Zählen Sie dazu die Personen, die tatsächlich Planwerte erfassen oder freigeben, und prüfen Sie, ob alle in Ihrem Microsoft-Tenant sitzen. Mit diesen Antworten wissen Sie, ob Ihr Plan eine eigene Finanzlogik braucht oder ob er auf das Modell gehört, auf dem Ihre Berichte schon laufen.
Wenn Sie bereits Offerten haben, lohnt sich eine zweite Meinung vor der Unterschrift. Unser Projekt-Review prüft in wenigen Tagen zum Festpreis, welche Entscheide der Plan tragen muss, ob Ihr Ist-Modell dafür reicht und welches Werkzeug zu Ihrer Planung passt; das Ergebnis ist eine schriftliche Zweitmeinung mit Empfehlung. Steht der Aufbau fest, klärt ein Scoping-Sprint in zwei bis drei Wochen das Zielbild für Plan und Bericht zusammen.
Quellen
- Microsoft (2026): What is Planning in Fabric?; Known limitations in Planning; Planning in Fabric billing and pricing model; Create a multi-dimensional planning cube. Microsoft Learn, learn.microsoft.com/fabric/iq/plan.
- Microsoft Fabric Blog (2026): Introducing Planning in Microsoft Fabric IQ: From historical data to forecasting the future. blog.fabric.microsoft.com.
- Lumel (2026): Lumel enters into strategic first-party alliance with Microsoft to launch enterprise planning in Microsoft Fabric. Medienmitteilung vom 18.03.2026, lumel.com.
- Jedox (2026): Planung in Power BI; Heyde AG: Jedox-Modelle (Bilanz, Erfolgsrechnung, Cash Flow, Vertrieb, Personal, Kostenstellen). jedox.com, heyde.ch.
- BARC (2026): Jedox Reviews und Erfahrungen. barc.com/de/review/jedox.
- Egle, U., Keimer, I. (2018): Digitaler Wandel im Controlling. Schriften aus dem IFZ, Band 37. Verlag IFZ, Hochschule Luzern.
- Keimer, I., Egle, U. (Hrsg.) (2020): Die Digitalisierung der Controlling-Funktion. Springer Gabler.
- Langmann, C. (2019): Digitalisierung im Controlling. Springer Gabler essentials.
- Mehlfeld, T., Schneider, C., Stahl, K.-U., Wiener, A. (Hrsg.) (2018): Reporting- und Business-Intelligence-Werkzeuge für den Controller – darin Fischer, D.: Zehn Regeln für Controlling-Erfolg.